Gusseisen oder doppelwandiger Edelstahl: Welche Teekanne hält länger warm?

Beide Kannen fassen gut einen Liter, beide sollen den Tee warm halten, und beide kommen vom selben Hersteller. Sie tun es auf entgegengesetztem Weg: Die eine speichert Wärme in einer schweren Wand aus Gusseisen, die andere sperrt sie mit einem Luftraum zwischen zwei Edelstahlwänden ein.
Wer die Klasse noch grundsätzlich sortiert, findet die Übersicht bei den Teekannen. Hier stehen die gusseiserne Bredemeijer Jang und die klassische doppelwandige Edelstahlkanne desselben Hauses mit ihren Datenblättern nebeneinander.
- Die gusseiserne Jang, wenn die Kanne auf dem Tisch stehen bleiben und wirken sollgenoppte Gusswand, innen emailliert gegen Rost und Geschmacksübertragung, feinmaschiges Filtersieb aus Edelstahl liegt bei, etwa 1,1 Liter
- Die doppelwandige Edelstahlkanne, wenn sie leicht und tropffrei sein sollzwei Wände mit isolierendem Zwischenraum, geformte Tülle für tropffreies Einschenken, Griff und Knopf aus Kunststoff werden nur handwarm, etwa 1,2 Liter
- Beide sind auf zwei Jahre Garantie ausgelegt und fassen ungefähr sechs Tassen
Die zwei Kandidaten
Bredemeijer Jang, Gusseisen
Etwa 1,1 Liter, mit Sieb
Doppelwandige Edelstahlkanne
Etwa 1,2 Liter, tropffreie Tülle
Die Daten nebeneinander
| Merkmal | Jang, Gusseisen | Doppelwandige Edelstahlkanne |
|---|---|---|
| Material | Gusseisen, innen emailliert | Edelstahl, doppelwandig |
| Wärmeprinzip | Masse speichert die Wärme | Zwischenraum hält sie zurück |
| Fassungsvermögen | etwa 1,1 Liter | etwa 1,2 Liter |
| Filtersieb | feinmaschig aus Edelstahl, liegt bei | keine Angabe |
| Innenbeschichtung | Emaille, schützt vor Rost | Edelstahl, nicht rostend |
| Geschmacksübertragung | durch die Emaillierung unterbunden | Edelstahl nimmt kein Aroma auf |
| Ausgießen | keine Angabe | geformte Tülle, tropffrei |
| Griff | keine Angabe | Kunststoff, wird nur handwarm |
| Oberfläche | matt und genoppt | glänzend |
| Leergewicht, gerundet | etwa 1,0 kg | etwa 0,7 kg |
| Maße, gerundet | etwa 19 x 15 x 16 cm | etwa 16 x 16 x 24 cm |
| Auf dem Stövchen nutzbar | ja, passendes Stövchen ist erhältlich | keine Angabe |
| Farbe | schwarz | silbern mit schwarzem Griff |
| Garantie | 2 Jahre | 24 Monate auf Gestaltung, Material und Verarbeitung |
Werte nach den Herstellerangaben zu beiden Modellen. Beim Gusseisenmodell widerspricht sich das Datenblatt selbst: Der Produktname und die Größenangabe nennen 1,1 Liter, ein Merkmalstext spricht von 800 Millilitern; die Tabelle folgt der Angabe im Namen, und wer die Kanne randvoll rechnen will, sollte diesen Widerspruch kennen. Zum Ausgießverhalten, zum Griff und zum Sieb macht das Datenblatt der Edelstahlkanne keine Angabe, was nicht heißt, dass sie ohne Sieb geliefert wird. Gewichte und Maße stammen aus den Versandangaben und sind darum nur gerundet als Handelsangabe brauchbar. Angaben dazu, wie lange eine Kanne den Tee warm hält, macht keiner der beiden Datensätze; die Rechnung weiter unten arbeitet deshalb mit den bekannten Stoffwerten von Wasser und Gusseisen und beschreibt Größenordnungen, keine Messwerte. Die hervorgehobene Zelle ist der bessere Wert, nicht automatisch der wichtigere. Eine fehlende Angabe zählt nicht als Nachteil.
Was aus den Zahlen folgt
Warum eine Gusskanne vorgewärmt werden muss
Die Rechnung mit den sieben Grad
Ein Kilogramm Gusseisen nimmt je Grad Erwärmung rund 460 Joule auf. Ein Liter Wasser gibt je Grad Abkühlung rund 4190 Joule ab.
Wird Wasser von 95 Grad in eine 20 Grad kalte Gusskanne gefüllt, teilt sich die Wärme entsprechend auf, und das Wasser verliert dabei rechnerisch etwa sieben Grad, noch bevor der Tee zieht.
Für schwarzen Tee, der 95 Grad will, ist das der Unterschied zwischen richtig und zu kalt. Ausspülen mit heißem Wasser vor dem Aufguss löst das Problem in dreißig Sekunden.
Praktisch heißt das: Die Masse, die später die Wärme hält, kostet sie am Anfang. Bei einer doppelwandigen Kanne mit weniger Masse fällt dieser Verlust deutlich kleiner aus.
Was passiert, wenn das Sieb in der Kanne bleibt
Die Rechnung mit der Ziehzeit
Grüner Tee zieht je nach Sorte zwei bis drei Minuten, schwarzer Tee drei bis fünf. Danach lösen sich vor allem Gerbstoffe, und der Aufguss wird herb.
Eine Kanne, in der das Sieb bleibt, zieht weiter. Wer sechs Tassen über vierzig Minuten trinkt, hat in der letzten Tasse einen Aufguss, der mehr als zehnmal so lange gezogen hat wie in der ersten.
Deshalb gehört das Sieb nach der Ziehzeit heraus, unabhängig vom Material der Kanne. Ein feinmaschiges Sieb aus Edelstahl lässt sich dafür in einem Griff entnehmen, ein Papierfilter oder loses Blatt in der Kanne nicht.
Praktisch heißt das: Das mitgelieferte Sieb ist kein Zubehör, sondern die Bedingung dafür, dass die letzte Tasse so schmeckt wie die erste.
Wie lange eine Kannenfüllung reicht
Die Rechnung mit den sechs Tassen
Eine Tasse fasst rund 200 Milliliter. 1,1 bis 1,2 Liter ergeben damit fünf bis sechs Tassen, also eine Runde für zwei Personen über einen ganzen Nachmittag oder eine Runde für vier auf einmal.
Über diese Zeit kühlt jede offene Kanne aus. Ein Wärmespeicher aus Gusseisen gibt die gespeicherte Wärme dabei auch nach außen ab, eine doppelwandige Kanne hält sie zurück, hat aber nach dem Einschenken weniger Vorrat.
Für lange Runden hilft in beiden Fällen ein Stövchen unter der Kanne, für die Gusskanne ist es ausdrücklich vorgesehen.
Praktisch heißt das: Wer zwei Stunden am Tisch sitzt, plant die Wärmequelle mit ein. Wer die Kanne in zwanzig Minuten leert, braucht sie nicht.
Wofür welche Kanne reicht
Wie sich die Jang im Einzelnen schlägt, steht im Test der Bredemeijer Jang. Wer die Bauart insgesamt vergleichen will, findet die Übersicht bei den Gusseisenkannen, und für die Wärmequelle darunter lohnt der Blick auf die Teekannenwärmer.
Wo jede von beiden gewinnt
Für die Gusskanne spricht
- Masse speichert Wärme über die ganze Runde
- Feinmaschiges Edelstahlsieb liegt bei
- Innen emailliert gegen Rost und Aromareste
- Passendes Stövchen ist erhältlich
- Steht schwer und kippsicher auf dem Tisch
Für die Edelstahlkanne spricht
- Rund 300 Gramm leichter im Leerzustand
- Doppelte Wand hält die Wärme ohne Stövchen
- Griff und Knopf bleiben handwarm
- Tülle gießt tropffrei aus
- Etwas mehr Fassungsvermögen
Die beiden Kannen bedienen zwei Arten, Tee zu trinken. Die gusseiserne ist für den Nachmittag gemacht, an dem die Kanne stehen bleibt: Sie wird warm und bleibt es, sie sieht auf dem Tisch nach etwas aus, und mit dem Stövchen darunter hält sie eine Runde über Stunden. Dafür verlangt sie das Vorwärmen und ein festeres Handgelenk. Die doppelwandige Kanne ist die alltagstauglichere: leichter, mit einem Griff, der nicht heiß wird, und einer Tülle, die nicht tropft, dafür ohne die Speichermasse, die eine späte Tasse noch trinkbar warm hält. Wer beides braucht, wählt nach dem, was häufiger vorkommt, die lange Runde oder die schnelle Kanne zwischendurch.



